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Wie bekomme ich mein Hörnchen zahm?

Das ist eine der häufigsten Fragen, die sich frisch gebackene Halter eines Streifenhörnchens stellen.
An dieser Stelle werden Tipps und Tricks aufgezeigt, die dabei helfen sollen, dass der kleine Freund bald Vertrauen fasst.

Gerade die Phase der Eingewöhnung, wenn das Horn noch frisch in der neuen Umgebung ist, stellt sich als prägend für die Streifenhörnchen dar.

 

  Eingewöhnung

Eingewöhnungszeit im KäfigUm späteren Problemen prophylaktisch zu begegnen, sollte das Horn nach dem Einzug eine längere Zeit im Käfig verbringen und keinen Freilauf bekommen. Das Streifenhörnchen hat also erst einmal eine Ausgangssperre von mindestens vier bis acht Wochen, damit es sich in die neue Umgebung eingewöhnt und möglichst nur seinen Käfig als Revier ansieht.

Es braucht diese zugegebenermaßen lange Zeit wirklich, um sich richtig eingewöhnen zu können.
Dann nimmt es hoffentlich seinen Käfig als sein zu Hause an und hat zudem genügend Zeit sich an Umgebung, Geruch, Stimmen und Menschen zu gewöhnen.

Die Eingewöhnungsphase mit dem dazugehörigen Arrest ist ganz wichtig, weil dadurch häufig verhindert werden kann, dass das Streifenhörnchen nicht von sich aus zurück zum Schlafen in den Käfig geht.
Viele Besitzer, die ihre Streifenhörnchen zu früh hinausgelassen haben, schildern immer wieder das Problem, dass ihr Streifi nicht in den Käfig geht, sondern eine andere Schlafstätte sucht.

Der zweite Grund für die lange Eingewöhnungszeit ist noch wichtiger. Im Herbst und zur Winterzeit treten einige Streifenhörnchen ihren Haltern äußerst aggressiv gegenüber. Hat das Hörnchen sein Revier auf das Zimmer ausgeweitet, kann es jahreszeitunabhängig zu aggressiven Ausbrüchen und brutalen Angriffen kommen.

Fragt man die Halter dieser aggressiven Zeitgenossen wann das Horn das erste Mal aus dem Käfig gelassen wurde, ist die Antwort häufig, dass das Tier sich von selbst Freilauf verschafft hat und aus dem Käfig geflüchtet ist oder dass der Halter es nicht für nötig hielt das Hörnchen vorerst eingesperrt zu lassen. Sehr häufig greifen also genau die Streifenhörnchen ihre Besitzer an, die zu früh Auslauf genossen haben.
Sie haben nicht ihren Käfig als ihr Revier anerkannt, sondern beanspruchen hierfür den ganzen Raum oder gar die ganze Wohnung.
Das führt nun dazu, dass sie, gerade zur Herbst- und Winterzeit, wenn sie die Sammelwut gepackt hat, ihr Hab und Gut verteidigen wollen.
Sie glauben, dass man ihnen ihr Futter aus ihrem Reich klauen möchte.

Haben die Kleinen jedoch lediglich ihren Käfig als ihr Revier angenommen, so dulden sie den Halter in ihrer Freilaufstätte. Andere Tiere haben im Hörnchen- und Freilaufzimmer natürlich nichts zu suchen.

Es kann aber trotzdem zu den genannten Aggressionen kommen, obwohl man sich an den Eingewöhnungsarrest gehalten hat. Dennoch ist es ratsam sich an den Hausarrest in der Eingewöhnungszeit zu halten, da man nicht vorhersehen kann, wie das Tier letztendlich reagiert.
Vorteilhaft an der Ausgangssperre ist, man kann diese Zeit gut nutzen, um das Kleine zu zähmen.

Die ersten Tage nach dem Einzug sollte man das Tier allerdings vollkommen in Ruhe lassen, damit es sich im Käfig in Sicherheit fühlen kann. Es braucht die Ruhe, um die neue Umgebung zu erkunden und sich an die fremden Gerüche und Geräusche zu gewöhnen.

Hat man ein sehr scheues Hörnchen erwischt, kann es Wochen dauern, bis es sich außerhalb des Versteckes zeigt oder bis es nicht mehr fluchtartig in sein Versteck flitzt, sobald der Halter sich im Raum aufhält oder das Horn einfach nur eine kleine Bewegung wahrnimmt. In einem solchen Fall braucht es zur Zähmung des Tieres besonders viel Geduld, während andere Halter, die ein forsches Hörnchen ihr Eigen nennen vielleicht schon nach zwei Tagen davon berichten können, dass ihr Tier ihnen Futter durch das Gitter aus der Hand genommen hat.

 

  Zähmung

Die zwei wichtigsten Punkte die zur Zähmung eines Hörnchen gehören sind Geduld und Leckerlies (Nüsse, Kerne, Obst, Mehlwürmer...).

Niemand kann sagen wie lange es dauert, bis ein Streifenhörnchen gezähmt ist. Der Zeitraum ist vom Charakter und den Erfahrungen des Tieres abhängig und die Tiere unterscheiden sich stark voneinander. Es gibt Berichte, da schafften es die Leute innerhalb einer Woche - andere waren erst nach einem Jahr erfolgreich - wieder andere haben es nie geschafft.

Man bedenke dabei immer, dass es nicht nur am Hörnchen liegt wie schnell es Vertrauen gewinnt. Ein ganz junges Tier hat noch nicht viel erlebt und keinen Grund eine gesteigerte Fluchtdistanz zu zeigen. Ein älteres Tier, welches schon viele schlechte und vielleicht schmerzhafte Erfahrungen gesammelt hat, wird schwieriger zu überreden sein.

Bei manchen Tieren dauert diese Phase nur ein paar Tage, bei anderen wiederum Monate. Der Mensch hat auch so seine Eingewöhnungsphasen.
Leider hört man manchmal von Fällen, dass ein Hörnchen gar nicht zahm wird, aber auch hier sollte man nochmal genau überlegen woran es liegen könnte und die Geduld aufbringen weiter zu machen.

Ziemlich schnell lernt man die Leibspeise des Hörnchens kennen. Das ist ein tolles Hilfsmittel um das Horn zu locken. Die Lieblingsnüsse oder Körner werden dann nämlich fortan nicht mehr einfach so zur Verfügung gestellt, sondern ausschließlich von außen durch die Gitterstäbe per Hand verfüttert oder zumindest vorgehalten. Irgendwann wird es kommen und sich holen was es so sehr begehrt. Man darf natürlich keine Wunder erwarten (auch wenn sie mitunter manchmal geschehen) und muss wie immer beim Umgang mit Streifenhörnchen geduldig sein.

Holt sich das Streifi das Leckerchen hat man so gut wie gewonnen und verfestigt das Vertrauen, indem man den Vorgang häufig wiederholt. Man kann das Leckerchen dann auch ruhig an verschiedenen Stellen im Käfig anhalten. Kommt das Kleine auf einen zu, ist das schon die halbe Miete.

Streifi wird durch das Gitter gefüttert Streifenhörnchen wird mit einem Mehlwurm durchs Gitter gefüttert

Natürlich braucht manches Tier seine Zeit bis es sich überhaupt sehen lässt. Schließlich ist der Mensch in seinen Augen riesengroß und könnte eine Bedrohung darstellen. Es muss langsam lernen, dass die menschliche Gestalt und die dazugehörigen Extremitäten nichts Schlimmes sind, sondern etwas, worüber es sich freuen kann. Dafür braucht es allerdings Zeit, um sich an den Geruch, die Geräusche und Bewegungen zu gewöhnen.

Im Grunde hat man eigentlich nur das Hilfsmittel Futter, welches dazu dient, mit dem Horn in Kontakt zu kommen. Das Wichtigste im Leben des Hörnchens ist einfach das Futter, und was anderes wird es von einem auch nicht wollen. Streifenhörnchen sind nicht liebebedürftig und wollen auch nicht angefasst oder gestreichelt werden.

Die Gewöhnung an Stimmen, Geräusche und Bewegungen kann ganz einfach stattfinden. Dafür nimmt man sich ein Buch oder eine Zeitschrift zur Hand und liest laut daraus vor. Ist man tagsüber nicht da, weil man z.B. in der Schule ist, oder arbeiten muss, kann man das Radio laufen lassen. Hier sind aber nur Sender angebracht, wo mehr gesprochen und weniger oder noch besser keine Musik gespielt wird. Hörspielkassetten oder CDs eignen sich ebenfalls sehr gut zur Stimmgewöhnung.

Es gibt auch andere Methoden ein Streifenhörnchen an den Menschen zu gewöhnen, aber diese sind unfair und unzumutbar für das Tier. Genauer gesagt es ist Tierquälerei!

Ein Tipp aus einem bekannten Ratgeber über Streifenhörnchen ist beispielsweise den Kleinen am Anfang kein Häuschen und keine Rückzugsmöglichkeit zu bieten oder diese wieder wegzunehmen damit es keine andere Wahl hat als sich mit den Menschen und der Umgebung auseinander zu setzen. Die Häuschen und Verstecke bieten dem Tier einen Ort wo sie sich sicher fühlen sollen und können. Man darf ihnen diese Sicherheit doch nicht nehmen!

Eine weitere Methode wird erwähnt, die noch schlimmer ist: Hier bietet man dem Horn ausschließlich Futter aus der Hand an und stellt ihm sonst nur Wasser im Käfig zur Verfügung. Das ist einfach nur abartig! Liebe geht bei den Tieren zwar durch den Magen, aber wer zu solch schäbigen Mitteln greift, geht eindeutig viel zu weit!

Das Streifenhörnchen soll selber entscheiden können wann und zu wem es Vertrauen aufbaut.
Man muss es nicht mit dermaßen unfairen Mitteln unnötig unter Druck setzen. Dann dauert es vielleicht mal ein, zwei Wochen länger bis es sich zeigt oder gar schon Futter aus der Hand nimmt, aber man hat ein reines Gewissen und ist kein Tierquäler.

Wenn man Geduld hat wird einen jeder kleinste Fortschritt richtig freuen, und am Ende ist man stolz. Jede Minute fairer Umgang mit dem Tier lohnt sich. Ist es dann geschafft und das Streifi wird zahm, sind alle Strapazen vergessen und man ist einfach nur froh.

Also bitte nichts überstürzen, sondern ruhig an die Sache rangehen und nicht zu große Erwartungen mitbringen.