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Es soll in der Tat einige Streifenhörnchen geben, die auch nach vielen Jahren nicht wirklich zutraulich werden.

ängstliches StreifenhörnchenSolche Tiere sind in der Regel von Natur aus schon schüchtern und zurückhaltend veranlagt. Je nachdem, was sie in ihrem Leben schon mitgemacht haben, tragen sie vielleicht auch ein Trauma mit sich herum.

Die Besitzer von solch scheuen Exemplaren verzweifeln beim Versuch das Vertrauen der Kleinen zu gewinnen und nicht selten ist es ein hoffnungsloses Unterfangen. Sobald der Halter den Raum mit dem Käfig betritt oder wenn das Streifenhörnchen nur hört, dass jemand nach Hause kommt, flitzt es schnell in sein sicheres Versteck und kommt erst wieder heraus, wenn es sich sicher fühlt.

Es ist schwierig diese Situation vernünftig handzuhaben, da man als Halter, der vielleicht schon über Monate versucht hat, sich das Vertrauen des Tieres zu verdienen, einfach zu sehr enttäuscht ist und häufig daraufhin eine Negativhaltung dem Tier gegenüber entwickelt. Man fühlt sich missverstanden und abgelehnt, obwohl man doch nur das Beste für das Tier möchte.

Man sollte dem Kleinen aber nicht böse sein, sondern versuchen zu verstehen, dass es einfach Angst hat.

Für das Tier selbst ist das Leben in ständiger Angst natürlich ebenfalls nicht erfüllend und ab einer gewissen Zeit, sollte man sich überlegen, wie die Situation zu ändern ist. Für besonders scheue Exemplare von Streifenhörnchen kann sich beispielsweise eine Außenhaltung als positiver Einfluss herausstellen. Wenn man die Möglichkeit hat, eine ausreichend große und geschützte Außenvoliere an einen Platz zu stellen, der nicht allzu belebt ist, kann es das Leben des Tieres großartig aufwerten. Deswegen soll der Tipp hier bitte nicht als Abschiebung missverstanden werden. Das Hörnchen kann seine Umgebung beobachten und wenn es sich selbst unbeobachtet und sicher fühlt, die frische Luft und die Sonne genießen, ohne ständig von den furchterregenden Menschen verscheucht zu werden. Über Wochen und Monate hinweg wird es vielleicht etwas auftauen und die Lebensqualität gewinnen können, die es verdient.

Wir selbst hatten auch mal eine Streifenhörnchendame, die, nachdem sie in ein Stromkabel gebissen und einen Schlag bekommen hatte, sehr scheu wurde. Wir haben uns alle Mühe gegeben, um ihr Vertrauen zurückzubekommen, aber sie blieb stets übervorsichtig und zurückhaltend. Als wir sie dann in unsere Außenvoliere gesetzt haben, ist sie richtig schnell wieder aufgeblüht und wir haben sie wieder als Ganzes sehen können und nicht nur die Nase, die aus einer schützenden Röhre geschaut hat. Das ging so weit, dass sie uns mit der Zeit sogar wieder Futter aus der Hand genommen hat und sich sogar auch manchmal zeigte, wenn wir mit Besuch auf der Terrasse saßen, wo die Voliere steht. Wir haben die Voliere vom Wohnzimmer aus im Blickfeld und es war toll zu sehen, wie sich unsere Kleine in der Sonne geaalt hat und ihr Leben draußen ganz anders genossen hat als zu der Zeit, die sie nach dem Stromschlag in der Wohnung war. Mittlerweile ist unsere Lana leider von uns gegangen, aber sie hatte die letzten Monate ein tolles Leben und das hat man ihr angesehen.

Natürlich ist die Außenvoliere nicht der Weisheit letzter Schluss. Ganz häufig ist der Halter selbst dafür verantwortlich, dass sein Tier ihm kein Vertrauen schenkt, dabei ist er sich gar nicht darüber bewusst, dass er vielleicht Fehler im Umgang mit dem Horn machen könnte. bedrängtes ängstliches StreifenhörnchenDie Zähmung des Streifenhörnchens ist natürlich eines der Hauptthemen in unserem Forum, weil es häufig viel Zeit und Geduld fordert, die manch frischer Halter einfach nicht aufbringen kann. Sie bedrängen ihr Streifi im Käfig und halten alle möglichen Leckereien vor sein Versteck und wundern sich, dass das Tier es nicht nimmt und klopfen vielleicht sogar aufs Häuschen oder gegen den Käfig, um Aufmerksamkeit vom Hörnchen zu bekommen. Man kann hier der Aufmerksamkeit des Tieres ganz sicher sein, denn es versteckt sich ja vor dem Halter, von dem es vermutet, dass dieser gefährlich ist. Schon diese Dinge, die der Mensch vielleicht als Kleinigkeiten abtut, sind absolut tabu bei der Zähmung eines Streifenhörnchens. Der Käfig ist das Revier vom Hörnchen und der Halter hat im Käfig selbst überhaupt nichts zu suchen. Das Nest oder Häuschen des Hörnchens ist der absolute Zufluchtsort, wo sich das Tier beschützt fühlt und wohin es flüchtet, sollte es sich bedroht fühlen. Stört man diese Sicherheit, kann das schon der Auslöser für ein Trauma sein und die zukünftigen Fortschritte in Sachen Zähmung werden sich zäh dahinziehen. Man muss dem Streifenhörnchen begreiflich machen, dass keine Gefahr vom Halter ausgeht - das geht einfach nicht in der aktiven Position. Bei besonders scheuen Tieren ist eine passive Annäherung an das Tier viel erfolgversprechender als das penetrante Bedrängen und das Erzwingen wollen einer harmonischen Beziehung. Man muss hier vielmehr versuchen, sich erst mal mit kleinsten Erfolgen zufrieden zu geben und nicht zu viel von dem Tier zu verlangen. Es gibt auch kein Patentrezept, wie man genau vorzugehen hat, aber wir wollen zumindest mal eine Möglichkeit aufzeigen, wie man es versuchen kann. Hierbei gilt es natürlich ein, zwei Regeln zu beachten und einzuhalten, wenn der Versuch von Erfolg gekrönt sein soll. Die falsche Reaktion in einer bestimmten Situation kann die Arbeit von Wochen zunichtemachen und man fängt wieder von vorne an.

Das Horn kommt auf den Menschen zu, nicht Mensch auf das Hörnchen. Will sich das Streifenhörnchen also nicht zeigen, ist man dazu verdonnert abzuwarten, bis es sich zeigt. Man sollte die Sichtung keinesfalls erzwingen, das würde das Tier vermutlich noch ängstlicher werden lassen, als es schon ist.

ängstliches Horn hat sich in der Röhre verstecktAm besten sitzt man ganz ruhig im gleichen Raum, wo auch die Hörnchenvoliere steht, aber weit von dieser entfernt und vermeidet großartige und unnötige Bewegungen. Wenn man sich ganz still verhält und sich wirklich möglichst weit weg von dieser befindet, stehen die Chancen sehr gut, dass sich das Streifenhörnchen zeigt. In dieser Situation muss man sich wirklich ganz still verhalten, da es vermutlich bei der kleinsten Bewegung sofort wieder ins sichere Nest flüchtet und sich vermutlich die nächsten Stunden auch nicht wieder hinaus traut. Das Hörnchen muss lernen, dass nichts passiert, wenn es sich mal nach draußen traut. Diese zugegebenermaßen nervenaufreibende Geduldsprobe ist für viele Halter schon eine sehr große Hürde, aber hält man das einige Zeit durch, kann man anfangen leise zu sprechen, wenn sich das Streifi zeigt. Auch hier besteht natürlich die Gefahr, dass es sofort wieder verschwindet, aber irgendwie muss es ja lernen, dass nichts weiter passiert, auch wenn der Riese am anderen Ende des Raumes Geräusche von sich gibt. Man steigert so ganz langsam immer weiter seinen Aktionsraum, wobei zu beachten ist, dass man auf das Horn möglichst nicht bedrohlich wirkt. Wenn man es so weit hat, dass es nicht bei jedem Geräusch und jeder kleinsten Bewegung flüchtet, ist es Zeit den nächsten Schritt zu wagen. Man rückt etwas näher an die Voliere heran und spielt das alles wieder durch, bis sich das Tier ein Herz gefasst hat und auch dann nicht mehr sofort flüchtet. So nähert man sich nach und der Voliere an, wobei diese Aktionen mehrere Wochen andauern können, bis man überhaupt auch nur mal einen kleinen Fortschritt erkennen kann.

Irgendwann ist man hoffentlich so weit, dass man die Voliere auf Armlänge erreichen kann. Es ist scheinbar so, dass sich Hörnchen sicherer fühlen, wenn sie sich Höher als die potentielle Gefahr befinden. Dieses Wissen sollte man ausnutzen und versuchen immer unterhalb des Hörnchens zu bleiben und sich so klein wie möglich zu machen. Der nächste Schritt ist einer der spannendsten beim Versuch der Zähmung eines Streifenhörnchens. Man versucht nämlich nun die Brücke zu schlagen und bietet ihm Futter aus der Hand an. Vielleicht hat man ja schon herausgefunden, was beim täglichen Füttern im Futternapf fehlt und was noch da liegt. Wenn man dann weiß, was das Horn gerade als Leibspeise bevorzugt, hat man ein tolles Lockmittel. Natürlich reduziert man die Anzahl von den Lieblingsnüssen oder Lieblingskörnern im Napf drastisch und bietet genau diese immer wieder mal mit der Hand durch das Käfiggitter an. Es bietet sich an, sich vor die Voliere zu setzen und mit nach oben ausgestrecktem Arm das Leckerli anzureichen. Mit ein bisschen Glück, viel Ausdauer und sehr viel Geduld wird das Horn über seinen Schatten springen und das Objekt seiner Begierde aus den Fingern seines, dann mit vor Stolz geschwellter Brust, Halters nehmen. Ist dieser Fall eingetreten, hat man so gut wie gewonnen, aber man darf jetzt nicht übermütig werden und zu viel fordern. Es muss für die nächste Zeit genügen, dem Horn auf diese Weise immer wieder Leckerchen zuzustecken, wobei man versuchen kann, dieses positive Erlebnis mittels Konditionierung mit einem Geräusch zu verknüpfen. So hat man später die Möglichkeit das Horn mit diesem Geräusch zu locken, weil es das Geräusch mit dem Leckerchen verbindet. Ist man aber dann endlich so weit fortgeschritten, dass das Tier nicht bei jeder Bewegung sofort wieder flüchtet und es vielleicht sogar schon regelmäßig Futter aus den Fingern nimmt, kann man den nächsten Schritt wagen, der häufig auch das letzte Eis zum Schmelzen bringt, wenn man das Tier in dieser Situation nicht überfordert, der Freilauf.

Hat man das Zimmer hörnchensicher gemacht und alle möglichen Schlupflöcher beseitigt, kann man die Käfigtür öffnen und sich wieder so weit weg wie möglich vom Käfig positionieren. Um das Horn herauszulocken kann man ein paar Leckerchen vor den Käfig vor die offene Tür legen. Streifenhörnchen sind eigentlich alle sehr neugierig, auch die scheuen Exemplare. Horn traut sich aus der VoliereWenn sie erst einmal Freiheit außerhalb des Käfigs gewittert haben, werden die meisten Hörner auf Erkundungstour gehen. Hierbei darf man sich als Halter eines so scheuen Tieres wieder nur am Riemen reißen und nicht zu viel erwarten. Für den Anfang ist es schon mal ein sehr großer Fortschritt, sollte sich das Horn die ausgelegten Leckereien holen und dann wieder im Käfig verschwinden. Mittlerweile hat man aber auch so viel Zeit mit dem Tier verbracht, dass man viel über die Körpersprache gelernt hat und seine Reaktionen einzuschätzen weiß. Hier muss man dann selbst entscheiden, wann es an der Zeit ist zu versuchen, das Horn mit dem konditionierten Geräusch heranzulocken, um wieder die Leibspeise aus der flachen Hand anzubieten. Es ist ein unglaublich tolles Gefühl, wenn das Streifenhörnchen das erste Mal den Mut gefasst hat und sich mit seinen Vorderpfoten auf der Hand abstützt, um sich das Futter in die Backen stopfen zu können. Hat man diesen Punkt erreicht, darf man das Tier als handzahm bezeichnen und seine zukünftigen Erwartungen im Umgang mit ihm nicht zu hoch schrauben. Damit hat man schon viel mehr erreicht, als viele Halter überhaupt von sich behaupten können.

Eine Garantie dafür, dass dieser Weg funktioniert, können wir natürlich nicht geben. Es soll nur ein Anhaltspunkt sein und verdeutlichen, wie vorsichtig man im Umgang mit einem besonders scheuen Streifenhörnchen sein sollte.

 

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